100 Stühle für den neuen Plan – eine Soziale Plastik

Eine Frau. Ein Plan. Ein bunter Stuhl.

Dann: Viele bunte Stühle, vor ihrem inneren Auge. Darauf Menschen. Sprechend, hörend, nach innen lauschend und spürend.

Der Plan: Ein grauer Platz

Ein grauer Platz, voller Autos. Im Herzen der Stadt. Frisch renoviert. Einige Parkplätze, viel freier Raum, seit der Sanierung. Doch es ist Winter. Autos parken. Auf den markierten Plätzen. Und auch auf den nicht markierten Plätzen. Auf dem ganzen Platz, wild durcheinander. Als wollten sie allen nochmal so richtig zeigen, wer hier stärker ist.

Viel wurde diskutiert über das Für und Wider. Über die Notwendigkeit von Parkplätzen. Und von Raum für Lebensqualität. Dasselbe Dilemma wie seit Jahrzehnten. Ein Mann, damals schon im Stadtrat, berichtete mir, dass es ein erstes Konzept zur Innenstadt bereits im Jahr 1977 gegeben hatte. Jetzt schreiben wird das Jahr 2026. Bald seit diesem ersten Anlauf also 50 Jahre vergangen sein. Vielleicht wird es am Ende doch noch gut. Ich würde es jedenfalls dem alten Mann von Herzen gönnen, dass der Prozess nach 50 Jahren noch ein wirklich gutes Ende findet.

Nun zurück zu der Frau und dem Stuhl.

Am Anfang stand die Frage nach dem Sinn. Der Zweck der Sanierung ist sachlich klar: Mehr Lebensqualität, mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Doch es ist Winter. Für die unerlaubt parkenden Autofahrer scheint mir der Sinn der neuen Regelung wenig nachvollziehbar. Denn, wenn sie sich an das Verbot halten würden: Vorher ein grauer Platz – mit Autos. Nachher ein grauer Platz – ohne Autos. Was wäre gewonnen, solange sich da sonst nichts tut?

Eine Vision: Soziale Plastik

Die Frau ist kreativ. Hat ein sehr gutes Vorstellungsvermögen und viel Phantasie. Und sie ist Künstlerin, in der Kunst der Sozialen Plastik.

Ein Stuhl allein macht noch keine Kunst. Außer man legt Butter darauf, inspiriert von einem tieferen inneren Impuls, der ausgedrückt werden will. Und man versteht unter Kunst auch das, was das sichtbare Werk in den Menschen auslöst. So verstanden, sind sie Teil des Kunstwerks. Manche werden vielleicht philosophieren über hartes, glattes Holz und weiche, schmierige Butter. Der Prozesskunst…

Wieder zu der Frau und zu dem Stuhl und ihrem Plan.

Der (noch?!) graue Platz heißt Auf dem Plan und befindet sich mitten in der Stadt Moosburg an der Isar. Er ist das Herz der Stadt. Ein graues Herz – aus Stein.

Die Form: Bunte Stühle

Die Frau denkt an Menschen. An bunte Farben, an Kunst. Sie sieht Stühle. Und Menschen, auf bunten Stühlen. Nicht irgendwleche Stühle. Alte Stühle. Von Menschen jeden Alters eigenhändig bunt verziert. Jeder Stuhl ein Upcycling-Kunstwerk. Sie sieht zuerst einen Menschen auf einem Stuhl. Sie sieht sich selbst auf diesem Stuhl, bereit zum Zuhören. Dann ein zweiter, noch unbesetzter Stuhl. Dieser ist ein Ort zum Reden. Es kommen noch zwei weitere Stühle dazu, so entsteht eine kleine Zuhör-Runde. Ein Mensch auf einem Stuhl spricht, drei andere hören zu, für eine vorher bestimmte feste Zeit. Dadurch entsteht viel Ruhe in der Runde, es gibt keine Eile oder Unterbrechungen.

Die Frau sorgt als Künstlerin und Moderatorin für den klar definierten Rahmen mit dem Namen Sprechen&Zuhören. Sie widmen sich gemeinsam einer Frage: „Wie geht es dir/Ihnen mit dem neuen Plan?“ Reden, zuhören, ganz in Ruhe. In diesem einfachen, sicheren Rahmen können die Beteiligten sich hören und sich begegnen, von Mensch zu Mensch. Unabhängig davon, wie sie über den sanierten Plan denken und wie weit ihre Meinungen auseinanderliegen. Denn in dem Moment geht es nur darum, wie es ihnen damit geht. Sie sprechen. Sie hören. Allmählich wird spürbar, wie Verbundung zwischen ihnen entsteht.

Die Soziale Plastik ist eine Form von Kunst. Und eine Form von Demokratie. Denn die Kunst der Begegnung und Verbindung ist ein wesentlicher Teil einer gelingenden Demokratie.

Aktion bunte Stühle: Eine Einladung, die Soziale Plastik gemeinsam zu verwirklichen

Jetzt wird die Künstlerin konkret. Das innere Bild will verwirklicht werden. Sie entwirft eine Einladung, mit mehreren Möglichkeiten, beizutragen. Menschen können selbst teilnehmen können, mit oder ohne Zahlung für ein Ticket. Menschen können einen Stuhl spenden, auch wenn sie nicht teilnehmen. Denn diese Soziale Plastik lebt von vielen bunten Stühlen. Wir bringen gemeinsam Farbe auf den Plan. In Form von Stühlen, die man hinstellen und wieder mitnehmen kann. Und die Einladung zum entschleunigten Dialog bleibt mit den Stühlen dauerhaft verbunden.

Vielleicht entstehen dabei auch noch andere Ideen. Jetzt wird ein Anfang gemacht. Wohin führt eine solche Kokreation, was kann sie bewirken? Wir werden sehen…

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