Ostern klingt nach Frühjahr. Nach frühlingshaften Temperaturen. Ungefähr so hatte ich mir das vorgestellt, als ich meine Teilnehme für die Osteraktion der Moosburg Marketing eG am 28.3.26 zusagte, mit einem Stand, an dem man gemeinsam Stühle bunt bemalen kann. Kinder, Erwachsene, ganze Familien.
Kalte Aussichten
Die Wettervorhersage klang dann aber in den Tagen vor dem Termin doch eher abschreckend. Für 9 Uhr, wo die Aktion starten sollte, wurden kaum mehr 5 Grad Celsius angesagt. Und im Tagesverlauf, bis zum Ende um 16 Uhr, kaum mehr als 10. Für mich zu kalt, und auch für das geplante Material, für Kleber und für Acrylfarben. Da war nichts Schönes zu erwarten, sondern eher eine Sauerei, mit nicht trocknendem Kleber und Farben und wohl auch entsprechenden Spuren an der Kleidung.
Schweren Herzens sagte ich meine Teilnahme ab.
Die Osteraktion – ganz ohne mich…?
Doch am Morgen des Events erwachte ganz unverhofft die Künstlerin in mir. Es trieb mich um: Gibt es da nicht noch eine bessere Lösung als einfach abzusagen – und der für meinen Stand reservierte Platz bleibt gähnend leer?
In mir begann ein „Organischer Konsens“ zu wachsen. Also eine Lösung, mit, der ich wirklich gut leben konnte, sprich auch verschiedene Anteile in mir, die ganz unterschiedliche Anliegen zur Sprache brachten:
- die gesundheitlichen Bedenken
- das Bedürfnis nach Verlässlichkeit
- den Wunsch nach Kontakt mit Menschen mit Freude am kreativen Schaffen
- die Unternehmerin, die eine Chance zum sichtbar-Machen des Projekts nicht einfach verstreichen lassen wollte
- die Träumerin, die sich – wie Pippi Langstrumpf – ganz sicher war, dass sie genug Phantasie hat, um was Schönes zu entwickeln.
…oder doch wie mit mir, durch eine Art Platzhalter?
Erst ein paar Tage zuvor hatte mich eine gute Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass bei uns am Viehmarktplatz ein Stuhl steht, den wohl niemand mehr braucht. Ich wusste zuerst nicht so recht, ob ich ihn wirklich brauchen konnte, entsprach er doch zu wenig meinem „Beuteschema“ der massiven Stühle ohne Polster. Nach einem Tag des Abwartens, falls sich doch noch ein Besitzer fände, holte ich den Stuhl dann tatsächlich zu mir. Nur wenige Tage später fand er für die Osteraktion seine neue Bestimmung, denn es zeigte sich, dass sich bestens als attraktiver „Pinn-Stuhl“ eignete. Die Frage, welche Farben man braucht, um ihn zu verschönern, hatte sich damit erübrigt, denn er kann für diesen Zweck jetzt einfach so bleiben, wie er ist.
Das Problem mit den zu niedrigen Temperaturen für den Kleber und die Acrylfarben könnte ich leicht lösen, indem ich Weichpastell-Kreiden zur Verfügung stellte, mit denen sich der schon mit weißer Acrylfarbe grundierte Stuhl sehr gut verschönern ließ.
Und die Kälte für mich selbst umging ich, indem ich statt am Stand zu stehen, eine einfache, klare Einladung als „Platzhalter“ hinterließ.

Damit das Ganze schließlich noch als Ort für Kunst erkennbar wurde, diente mir als Unterlage eine tropfenförmige Glasplatte. Sie sollte eigentlich als Funkenschutz-Platte unter unserem neuen gebrauchten Kaminofen liegen. Wir hatten sie zum Ofen mit dazubekommen. Doch sie erfüllte um wenige Zentimeter die Ansprüche unseres strengen Kaminkehrers nicht, so dass wir sie eigentlich verkaufen oder verschenken wollten. Doch ich denke, das ist nun nicht mehr nötig. Denn es hat sich herausgestellt, dass ich sie gut brauchen kann.

Der Weg zum Kunst-Ort – nicht ganz leicht
Eine kleine Herausforderung war noch, dass ich nun recht viel Material in die Innenstadt zu transportieren hatte, die für das Event gesperrt und nicht mit dem Auto zugänglich war. Doch mit der tatkräftigen Unterstützung meines Sohnes gab es auch dafür noch eine wirklich gute und handhabbare Lösung.

Unterwegs ging der Weg für ein kurzes Stück steil bergauf. Allein hätte ich die Strecke kaum geschafft, denn sowohl der Wagen als auch die Ladung waren recht schwer. Doch ein freundlicher Mann, der auch gerade dort unterwegs war, schob einfach von hinten mit an, so dass auch diese Etappe schnell und leicht zurückgelegt war.
Ein erstes Gemeinschaftswerk für die Soziale Plastik
Nun, kurz vor Ostern 2026, ist in meinem Projekt 100 Stühle für den Plan also doch noch das erste Gemeinschaftswerk entstanden, wie geplant und gehofft. Und nicht nur das war ein Erfolg. Es hat sich auch bei diesem Termin gezeigt: Das Wichtigste an meiner Kunst ist das Gespräch. Ich war im Lauf des Tages ein paar Mal in der Innenstadt unterwegs und hatte ich schöne Gelegenheiten, mit interessierten Menschen über mein Projekt zu sprechen. Und ich bekam sehr viel positive Resonanz. Die Soziale Plastik ist auch auf diese Weise wunderbar am Wachsen…
Mittags gegen 12 Uhr, schon schön bunt:

Am Ende gegen 16 Uhr dann so:
