Seit einiger Zeit biete ich Dialogräume Sprechen&Zuhören an, zu unterschiedlichsten Themen. Ab und zu Online und gerne auch an verschiedenen Orten in Präsenz. Zuhören, ganz in Ruhe. Die richtigen Worte zu finden, und das ohne Druck. Denn jeder Mensch bekommt genügend Zeit zu sprechen. Auch Schweigen ist mit eingeladen.
An einem Tag Mitte Februar 2026 hatte ich Online zum Thema Alkohol eingeladen. Das Gespräch drehte sich um die Frage: „Wie geht es mir mit dem Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft?“ Genau am selben Tag erschien in der Moosburger Zeitung, der regionalen Ausgabe des Straubinger Tagblatts, der ganzseitige Artikel Ein Wirtshaus wird trocken. Er passte wie gerufen zu meinem Dialog-Thema.
Ein Wirtshaus wird trocken
Der Waldgasthof Schiederhof im Landkreis Straubing wird zum trockenen Wirtshaus. Das heißt, ab Frühjahr 2026 wird in diesem Gasthaus kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Auch im Biergarten nicht. Obwohl er doch in Bayern aus einem Wirtshaus kaum wegzudenken ist, so ist die Tradition. Trotz bekannter gesundheitlicher und sozialer Folgen, Suchtgefahr und nicht wenigen Todesopfern pro Jahr. Im Artikel wird klar: Auch in diesem Fall ging es um Leben und Tod. Weitermachen wie bisher – und beim nächsten Rückfall nicht wieder aufstehen. Oder die Existenz riskieren und aus der besonderen Situation etwas ganz Neues machen, eben einen Waldgasthof ganz ohne Alkohol. Damit der Wirt, seine Familie und auch andere Betroffene sich sicher sein können, hier droht keine Gefahr mehr, in unbeobachteten Momenten oder auch für Andere sichtbar doch schnell mal wieder zur Flasche zu greifen.
Traditionsgasthof wird Vorreiter für neue Wege
Der Schiederhof ist ein Traditionsgasthof mit Hotelbetrieb. Familie Groß betreibt ihn bereits seit drei Generationen. Die Entscheidung für das neue Konzept fiel deshalb nicht von heute auf morgen, und sie fiel alles andere als leicht. Doch ein Weiter-So ging nicht mehr. Schießlich war ganz klar, das wäre der sichere Tod. Und den Schiederhof ganz neu zu erfinden, ist immerhin eine Chance. Fürs Weitermachen, und auf ein neues Leben. Und wenn das wirklich gelingt, wird die langjährige Geschichte um ein weiteres Kapitel fortegschrieben, das mit der guten Entwicklung, wo es wieder bergauf ging, und wie das alle gemeinsam geschafft haben.
Gesagt, getan. Schon ab April ist es so weit. Bis dahin werden nur noch Restbestände ausgeschenkt, so heißt es im Artikel. Und statt für Aprilscherze ist es am 1.4. Zeit für den Start ins neue Leben, für das Gasthaus und für die Wirtsfamilie. Und für den einen oder anderen Aprilscherz bestimmt auch.
Sprechen&Zuhören am Schiederhof
Mich interessieren Pioniere. Menschen, die neue Wege gehen. Sich aufraffen und losgehen, trotz aller Bedenken. Die Neues wagen – denn es könnte ja gelingen. Und noch dazu heißt die Familie Groß, für großes Denken geradezu prädestiniert. Ich selber bin ja auch eine Pionierin, für gesellschaftlichen Wandel, für ein neues Miteinander, über traditionelle und moderne Grenzen hinweg, für eine neue demokratische Kultur. Inspiriert von diesem Artikel, fragte ich direkt bei der Wirtsfamilie an, ob sie sich vorstellen könnten, ein solches Sprechen&Zuhören zum Thema Alkohol auch einmal bei sich im Wirtshaus stattfinden zu lassen. Sie stimmten sofort begeistert zu. Bereits im April 2026 ist es soweit, schon zu Beginn des neuen Konzepts. Bei entsprechender Resonanz wird es dort öfters solche Termine geben, auch mit anderen Themen. Ein neues Puzzleteil fürs neue Schiederhof-Konzept und vielleicht ein kleiner Beitrag zu dessen Gelingen. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.
